Heute spreche ich über den rassistischen Ausfall beim Radiosender Bayern 3, wo der Moderator Matthias Matuschik die koreanischen Superstars BTS beleidigte und wie die unterschiedlichen Reaktionen auf diesen Vorfall ausfielen.

Für diese Episode gibt es ein Transcript, das ihr hier nachlesen könnt.

Transcript der DonnaSori Podcast-Folge

Hallo und herzlich Willkommen zum DonnaSori Podcast!

Ich freue mich sehr, dass du eingeschaltet hast. Heute möchte ich mit dir über einen aktuellen Vorfall sprechen. Es geht um den die anti-asiatischen Beleidigungen, die am 25. Februar 2021 live on air beim Radiosender Bayern 3 fielen. Ich möchte mit dir darüber reden, was vorgefallen ist, wie die Reaktionen waren und warum anti-asiatischer Rassismus in diesem Zusammenhang eine große Rolle spielt.

Was ist vorgefallen? Ich habe auf Twitter von dem Vorfall mitbekommen. Eine Twitter Nutzerin postete einen Videoclip, auf dem zu hören ist, wie die südkoreanischen Musik-Stars BTS auf das Übelste live beschimpft werden. Auslöser dafür war unter anderem ein Cover-Song von Coldplay, das Cover wurde übrigens von Coldplay und deren Fans gut aufgenommen. Der Radiomodereator Matthias Matuschik aber steigerte sich richtig rein, ich empfand seinen Ausbruch, den ich durch den Videoclip sah, bzw mitanhörte, als wirklich hasserfüllt, missgünstig und erschreckend anti-asiatisch. Die Beschimpfungen möchte ich hier nicht wiederholen, aber neben sehr persönlichen Beleidigungen verglich er die Band BTS direkt mit dem Covid19 Virus und für das Covern von Coldplay wünschte Matuschik BTS auch 20 Jahre Zwangslager in Nordkorea auf den Hals. Dass Matuschik noch hinterherschob, er könne nicht fremdenfeindlich sein, weil er ein südkoreanisches Auto fahren würde, ist doch lächerlich. Der Vergleich von asiatisch gelesenen Menschen mit dem Covid19 Virus hat mich sehr schockiert, obwohl ich das eigentlich von deutschen Medien mittlerweile gewöhnt sein müsste.

Unter dem Hashtag #ichbinkeinvirus könnt ihr übrigens auf Twitter und Instagram nachlesen, was wir Asiatisch-Deutschen Dank Menschen wie Bayern 3 Moderator Matuschik an Schikane erleben müssen, weil uns Menschen wie Matuschik für einen Virus halten. Matuschik wünschte sich auch eine Impfung gegen BTS, weil für ihn BTS auch eine Abkürzung wie Covid/Corona sei. Für mich steht hier BTS symbolisch nicht nur für andere koreanischen Bands, sondern allgemein auch für asiatisch gelesene Menschen, die von deutschen Medienschaffenden und von der deutschen Öffentlichkeit durch Othering ausgeschlossen werden. Wo immer noch anti-asiatischer Rassismus als Bagatelle abgetan wird und Asiatisch-Deutsche, oder in dem Fall asiatisch gelesene Menschen nicht für voll genommen werden.

Diese verächtliche Haltung wurde dem Moderator von Bayern 3 digital zum Verhängnis. Ich finde es übrigens sehr peinlich, dass Matuschik auf seinem Profil Anti-AfD Fotos hat und sich gegen Faschismus positioniert, wenn er selbst anti-asiatische Stereotype raushaut und, wenn man seinem Wikipedia Eintrag glauben darf, auch sehr zweifelhafte Vergleiche zum Holocaust macht, als er 2015 Raucherzonen mit Nazi-Zwangsmaßnahmen verglichen hat.

Wie waren die Reaktionen? Die Reaktionen der BTS-Fans waren wie erwartet, es sollte schon bekannt sein, dass die BTS Army ((아미) gut vernetzt und organisiert ist – über Ländergrenzen hinweg. Zur Zeiten der US Wahl hat die BTS Army ja ordentlich Stimmung mit Fancams gegen Trump gemacht und gezeigt, dass sie digital eine Macht sind. Innerhalb von wenigen Stunden war der Bayern 3 Vorfall komplett auf Englisch und Koreanisch übersetzt, auf Fansites gepostet und E-Mail Vorlagen in verschiedenen Sprachen erstellt, die man an Bayern 3 schicken konnte.

Ich kenne keine andere deutsche Fanbase, die zB für einen internationalen Künstler so auf die Barrikaden gehen würde, aber bei BTS spielen neben der besonderen Art und Weise, in der koreanische KPop-Stars und ihre Fans verbunden sind, auch eine Rolle, dass es sich bei der heftigen Reaktion gegen Bayern 3 und Matthias Matuschik um Kritik an seinem Rassismus handelt. Mich hat das sehr gefreut, dass trotz der Umstände, der Fakt, anti-asiatischer Rassismus mitgetragen wurde. Ich wünsche mir nur, dass man auch dem asiatisch gelesenen Nachbarn im echten Leben hilft, wenn wir Asiatisch-Deutsche im Alltag vom Rassismus betroffen sind.

Wie Twitter Nutzerin kateboss5000 treffend schrieb, ist das ganze übrigens kein normaler Shitstorm, sondern eben berechtigte Kritik am Rassismus. Der überwältigende Teil der deutschen BTS-Fans teilte die Meinung, dass Bayern 3 und Matuschik unter anderem durch die Corona-Vergleiche, also Menschen mit dem Virus gleichzusetzen, anti-asiatischen Rassismus verharmlosen und weitertragen. Konsequenzen muss Matuschik meiner Meinung nach keine fürchten, Rassismus hat in allen Etagen der deutschen Medienlandschaft Tradition und er wird sich wahrscheinlich nach paar Wochen wieder dem Business as usual zuwenden.

Die ersten Reaktionen aus der deutschen Medienlandschaft waren für mich echt bezeichnend und entlarvend. Ein Journalist dozierte in Tweets rum, warum das ein Shitstorm ist und keine Rassismuskritik (er diskutierte as weisser dude mit POC, das muss man sich mal geben) während sich andere Medienschaffende um den Social Media Beauftragten von Bayern 3 sorgten – kein Wort über die Beleidigungen, das Wort “Rassismus” oder “anti-asiatischer Rassismus” wurde konsequent vermieden und aus dem Weg gegangen. Fast schon bewundernswert. Mein Mitleid mit Bayern 3 und Matuschik, die mittlerweile international unter dem Hashstag #Bayern3Racist und auch unter #RacismIsNotanOption auf Twitter trendeten, hält sich in Grenzen. Rassismus zu reproduzieren, Menschen, in Zeiten von #ichbinkeinvirus direkt mit dem Virus gleichzusetzen und so weiter anti-asiatische Ressentiments zu schüren, all das interessiert doch niemanden in der Politik und schon gar nicht in den Medien.

Der Süddeutschen Zeitung sagten Sprecher von Bayern 3 übrigens, dass sie noch nicht wissen, ob Matuschik Konsequenzen zu befürchten habe, sie hätten ein sehr ernstes Gespräch geführt. Ja, ich führe auch jeden Tag ernste Gespräche mit meinen Hunden, mit meinen Pflanzen und mit meinem Spiegelbild. Toll.
Mittlerweile gibt es auch ein Statement von Bayern 3 und ihrem Moderaetor Matuschik, mit dem es sich prima Bullshit-Bingo spielen lässt. Ich habe gestern schon selbst auf Twitter prophezeit, dass man sich 100% bestimmter Begriffe wie “empfunden”, “gefühlt”, “verletzt” und “lernen” bedienen wird – und so ist es schlussendlich auch gekommen.

Reden wir jetzt mal über das Statement von Bayern 3, das wertlos ist. Ganz ehrlich, schicken sich das Redaktionen, die rassistische Ausfälle kaschieren müssen, sich gegenseitig zu oder was?

In der Stellungnahme steht (Zitat) “Wenn Aussagen von vielen Menschen als beleidigend oder rassistisch empfunden werden, dann waren sie es auch.” Ich werde jetzt mal ausfallend. Einen Scheiss ist das, es wird nichts “empfunden”, eine rassistische Aussage bleibt rassistisch. Ende. Punkt. Es auf die Gefühle anderer Menschen zu schieben ist billig – und wird als Ausrede jedes Mal benutzt, wenn man sich der eigenen Verantwortung nicht stellen möchte. Bayern 3 (Zitat) “distanziert sich ebenfalls ausdrücklich und entschieden von jeder Form von Rassismus, Ausgrenzung und Diskriminierung.” während sie selbst zulassen, dass ihr Moderator sich rassistisch äussert. Sie haben die Nuancen, die es beim anti-asiatischen Rassismus gibt, nicht verstanden und möchten es auch nicht verstehen. Es ist mir schnurzpiepegal, wenn Matuschik behauptet, er sei kein Rassist und er setze sich für den Weltfrieden ein, wenn er eben rassistische, stereotypische und in Zeiten der Pandemie sehr gefährliche Dinge von sich lässt.

Wegen Menschen wie Matuschik wurde die Haustür meiner Eltern mit Desinfektionsspray besprüht.
Wegen Menschen wie Matuschik wurde ich von anderen Leuten auf der Straße als “Virus” beschimpft.
Wegen Menschen wie Matuschik wechseln Menschen die Straßenseite und setzen sich weg, weil sie glauben, Leute, die so aussehen wie ich wären die Personifizierung vom Virus.
Wegen Multiplikatoren wie Bayern 3 wird meinen Mitmenschen zu verstehen gegeben, dass man Menschen ungestraft mit dem Virus gleichsetzen darf und uns Asiatisch-Deutsche auch behandeln darf wie Dreck.

Matuschik schreibt in der Bayern 3 Stellungnahme: (Zitat) “Das war niemals meine Absicht, aber mir ist bewusst, dass am Ende zählt, wie die Worte bei den Empfängern ankommen – und nicht, wie sie gemeint waren.” Aha. Weiss er also nicht, was er von sicht gibt. Das ist doch Peak White Privilege, wenn er glaubt, alles raushauen zu dürfen, um am Ende mit Floskeln davonzukommen. Wenn etwas gesagt wurde, wurde es mit Absicht gesagt. Worte haben Macht und Wirkung, dass jemand, der im Radio tätig ist, das angeblich nicht wusste, wie Dinge ausgelegt werden können, ist doch an den Haaren herbeigezogen. Wo bitte ist die Kinderstube? Herr Matuschik ist ja nicht erst gestern zur Welt gekommen und weiss doch hoffentlich, dass man sich keinen verbalen Durchfall live erlauben sollte? Matuschik erwähnt noch, dass er sich für Flüchtlinge und andere Leute einsetzt – und dass er mit einer witzig gemeinten Aussage jetzt ins Aus geschossen habe. WTF stimmt nicht mit ihm und Leuten, die sowas denken.

Anti-asiatischer Rassismus ist keine fucking Bagatelle und Kavaliersdelikt. Ich sage und schreibe es so oft, aber im Kampf gegen Rassismus kann man sich nicht aussuchen was man unterstützen will und was nicht. Der Kampf gegen Rassismus ist kein fucking Büffet, wo du dir das interessanteste rauspickst.

Bist du wie Matuschik und unterstützt Geflüchtete, machst aber anti-asiatische Witze? Dann bist du halt scheinheilig unterwegs und solltest unbedingt dein Wissen in Sachen Rassismus updaten. Mir stößt auch übel auf, dass weder Bayern 3 noch Matuschik Verantwortung übernehmen. Sorry, mimimi, zwinki zwonki – und das soll es gewesen sein? Bayern 3 setzt Floskeln ab und schiebt die Verantwortung auf ihren Moderator. Matuschik hingegen schreibt eigentlich nur davon, wie er sich fühlt (er ist doch der Täter, derjenige, der anti-asistische Dinge vom Stapel gelassen hat), und auf diejenigen, die am Ende an seiner Aussage leiden werden, geht er so gut wie nicht ein.

Mich interessiert nicht, wie es ihm geht, nachdem er für seine rassistischen Aussagen anscheinend zum ersten Mal in seinem Leben zurecht gewiesen wurde und mich interessiert auch nicht, was für wohltätige Dinge er sonst macht. Man kann sein Image, seine guten Taten auch durch einen Fehler zerstören. Ich nehme ihm nicht ab, dass Matuschik ein Anti-Rassist ist, denn er hat ganz klar und mit voller Inbrust anti-asiatische Dinge von sich gegeben. Dann ist er ein Rassist. Anti-asiatischer Rassismus ist immer noch Rassismus, als ich das letzte Mal von jemanden angepampt wurde, ich solle doch meine Hunde essen oder als man mich als Virus beschimpft hat. Heuchlerisch, sein Image durch seine getane Flüchtlingsarbeit aufpolieren zu wollen. Ist das jetzt das Alibi und soll als Joker gegenüber den anti-asiatischen Beschimpfungen ins Rennen gehen? Lachhaft. Und passend zum Bullshit Bingo aller Entschuldigungen möchte Matuschik “lernen”. Was will er lernen? Das einzige, was er gelernt hat, ist seinen Twitter-Account auf privat zu stellen.

Weisst du, liebe Zuhörerin und Zuhörer, was ich bei so einer Entschuldigung hören möchte?
Also eigentlich keine Entschuldigung, denn wir sind im Jahr 2021 und nicht 201 und sind vernetzt genug, dass wirklich jede und jeder in Deutschland mitbekommen kann, was geht und was nicht. Aber wenn schon Entschuldigung, dann kein “Wenn es euch verletzt hat, dann tut es mir leid” Geschwafel. Ich hätte es gut gefunden, wenn Matthias Matuschik zB geschrieben hätte, dass er sich bei Organisationen informieren wird oder das er einen Teil seiner Gage (offiziellen) Organisationen spenden wird, die sich gegen anti-asiatischen Rassismus einsetzen. Ich lese bei Bayern 3 und Matuschik nur Floskeln, Geschwafel, Image-Rettungs-Kampagnen und ausser Mimimi keine einzige Zeile Reflektion, wie man dieses Verhalten korrigieren möchte. Internalisierter Rassismus ist bekämpfbar. Aber diesen Willen sehe ich hier überhaupt nicht.

Wie sieht es eigentlich in Korea aus, dem Heimatland von BTS? Die Nachrichten, dass BTS von einem deutschen Radiomoderator beleidigt und mit dem Covid19 Virus verglichen wurde, hat sich wie ein Lauffeuer verbreitet. Jede große Medium berichtet darüber – um nur einige Beispiele zu nennen: Mac News, YTN, MBC News, Hankook Ilbo, SBS, edaily… die Liste ist lang, denn es ist leider wirklich ein Hot Topic geworden. Nicht nur in Zeitungen, sondern auch Fernsehbeiträge und Youtube Videos zu dem Thema ploppen auf.

Tja, Bayern 3 und Matuschik haben so zweifelhafte internationale Berühmtheit erlangt.
Noch ein kostenloser Tipp an Bayern 3, Matuschik und an alle, die planen, sich in der Zukunft wegen anti-asiatischem Rassismus zu entschuldigen: Streicht die das Wort “empfinden” aus eurem Vokabular.
Hier wird nichts rassistisch empfunden, die getätigten Aussagen waren und sind rassistisch.

Ich hoffe dir hat meine Folge über den Bayern 3 Vorfall um BTS gefallen. Wenn du mehr Informationen zu den Themen anti-asiatischer Rassismus und Aktivismus haben möchtest und dich auch weiterbilden möchtest, findest du auf meiner Website und in meinen Shownotes Links. Alle Links, wie du mich für Feedback und Wünsche kontaktieren kannst, findest du ebenfalls in den Shownotes. Hab vielen Dank für deine Zeit und bis zum nächsten Mal. Tschüss!

Links:
https://m.bpb.de/apuz/antirassismus-2020/316771/antiasiatischer-rassismus-in-deutschland
https://www.korientation.de/corona-rassismus-medien/
https://www.buzzfeed.de/buzz/situationen-die-ich-als-deutsche-mit-asiatischem-background-in-zeiten-von-corona-erlebe-90142766.html

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