Vorneweg: Man wird es niemandem Recht machen können. Aber es gibt einen – für mich – Anfang, mit dem man beginnen kann. Was ihr auch tut – macht es nicht, wie die Firmen Domino’s Pizza und Browlycare, die nach Vorfällen ins Fettnäpfchen traten.

Für diese Episode gibt es ein Transkript, das ihr hier nachlesen könnt. Ich habe euch beim Transkript noch ein paar Extras, wie Links und eingebettete Tweets hinzugefügt.

Transcript der DonnaSori Podcast-Folge

Moin moin und herzlich Willkommen zum DonnaSori Podcast. Mein Name ist Thea und ich freue mich, dass du eingeschaltet hast. Heute möchte ich mit dir über zwei Ereignisse reden, die mich in der vergangenen Woche beschäftigt haben. Ich weiss, das Thema Rassismus ist kein schönes und man gewinnt damit keine Wahlen oder Blumentöpfe. Aber ich spreche darüber, obwohl es mich langsam nervt – und als Betroffene vom anti-asiatischen Rassismus darf ich das sagen, dass es mich nervt, darüber zu reden! -, ich spreche darüber, in der Hoffnung, dass dir dieser Einblick in meine Lebensrealität eine Möglichkeit gibt, dich, falls du selbst nicht asiatisch gelesen bist, dich zu sensibilisieren. Wenn du asiatisch gelesen wirst, hoffe ich, dass wir online, oder wenn die Pandemie mal vorbei ist, zusammen einen Kaffee trinken können und uns über die Rassisten lustig machen können, die in ihrem eigenen Saft schmoren.

Nun möchte ich mit dir über den ersten Vorfall sprechen. Wenn du mir auf Twitter und Instagram folgst, weisst du es sicher schon. Ich und andere asiatisch gelesene Menschen wurden von einem Domino’s Pizza Fahrer rassistisch beleidigt. Dazu muss ich sagen, dass ich keine Kundin von Domino’s Pizza bin, ich begegne dem Fahrer auf der Straße.

Jedes Mal wenn ich ihn draussen treffe, und es ging vor meiner Beschwerde schon Wochen so, gab er Laute von sich, die eindeutig eine “asiatische” Sprache imitierten. Ich möchte das jetzt nicht nachmachen, du kannst dir sicher vorstellen, was das für Laute sind. Ihr müsst nur in einen viertklassigen Kung-Fu Film gucken, wo nur Weisse mitspielen…

Ich habe wirklich lange gewartet, bis ich mich dazu aufgerafft habe, mich direkt bei der Domino’s Pizza Filiale vor Ort zu beschweren. Zum einen: Die Filiale ist in meiner Gegend. Ich will keinen Stress und werde dem Typen noch öfters begegnen – wer sagt mir, dass er nicht ausflippt? Aber nachdem ich mit einer Freundin (ebenfalls asiatisch gelesen) gesprochen habe, die in der Nähe wohnt und auch meine Mutter mir gesagt hat, dass auch sie von diesem Mann auf der Straße belästigt wurde, ist mir der Kragen geplatzt und ich habe in der Filiale angerufen.

Auf Twitter seht ihr auch ein zensiertes Foto des Fahrers, das ich direkt nach einer Beleidigung gemacht habe. Ich habe auch Videos, die ich selbstverständlich aus Datenschutzrechtlichen Gründen nicht öffentlich posten werde, die ich aber als eine Art von Versicherung habe, wenn irgendwas passiert. Das klingt jetzt vielleicht dramatischer, als es ist, aber seit Atlanta und seit den Anfeindungen, die leider mit der Covid-19 Pandemie schon physisch geworden sind, bin ich leider, leider auf alles gefasst. Irgendwie schon traurig, dass das die Lebensrealität von sehr vielen Asiatisch-Deutschen ist, oder?

Wisst ihr übrigens, was meine Mutter zu mir sagt, wenn ich ihr rassistische Erlebnisse berichte? Meine “Ignoriere das lieber, das passiert jeden Tag. Wenn man sich immer wieder aufregt, verdirbt es den Charakter. Am Ende wird der noch gewalttätig. Man weiss ja nie.”

Jedenfalls habe ich bei Domino’s Pizza angerufen, die erste Reaktion zum Fahrer war “Er ist halt lustig.”
Was soll man auf so etwas antworten? Ein versprochenerRückruf kam auch nicht. In meinem Frust habe ich auf Twitter gepostet – dort ist mir eine liebe Twitter-Mutual zur Seite gesprungen und hat sich für mich eingesetzt. Und, so traurig wie es ist – wenn man Reichweite in den Sozialen Medien hat, melden sich Firmen plötzlich. Ich habe einen Rückruf von Domino’s Pizza bekommen, der für mich wieder die Tatsache bestätigte, dass Menschen anti-asiatischen Rassismus schlichtweg nicht ernst nehmen.

Es erfolgte keine Entschuldigung. Es wurde versucht, sich rauszureden, der Mitarbeiter sei selbst ein PoC und könne daher keine rassistischen Aussagen tätigen. Ausserdem sei er fröhlich und schwerbehindert und hätte nur gesungen Rassismus als Singen zu verkaufen. Glaub mir, ich kenne jetzt alle Ausreden.

So kommen wir auch zum Titel dieser Podcast-Folge. Wie entschuldigt man sich nach einem Rassismus-Vorfall? So jedenfalls nicht! Lass mich diese Statements mal auseinandernehmen.

  1. Der Mitarbeiter ist selbst PoC und sei deswegen kein Rassist.
    Falsch, auch Leute, die BIPoC sind können rassistisch sein. Jede*r von uns hat Rassismus internalisiert und man ist nicht automatisch eine persona non grata, wenn man rassistische Aussagen getätigt hat. Der erste Schritt ist aber, dass man realisiert, was vom Rassismus Betroffene sagen und sich Informationen selbst suchen, warum man bestimmte Aussagen in 2021 einfach nicht mehr tätigen sollte. Es kostet genau Null Euro, seine eigene Empörtheit, dass man was rassistisches getan haben sollte, runter zu schlucken und nachzudenken. Googelt doch einfach anti-asiatischer Rassismus oder anti-asian racism! Disclaimer: Rassismus gegen weisse Personen gibt es trotzdem nicht. Punkt.
  2. Der Mitarbeiter sei schwerbehindert.
    Eine Behinderung ist kein Grund, sich rassistisch zu verhalten. Wenn er so sehr eingeschränkt ist, dass er zB keine Kontrolle mehr über seine geistigen Fähigkeiten hat, würde er nicht auf dem Fahrrad Ware ausliefern (und das ist kein Tourette oder ähnliches, mein Nachbar, der öfters bei Domino’s Pizza bestellt und den Fahrer auch kennt, meinte zu mir, dass der Mann ihn weder ansingt oder sich anders verhält).
  3. Der Mitarbeiter hätte nur gesungen.
    Veräppeln kann ich mich alleine. Ich bin alt genug, um den Unterschied zwischen Singen und rassistischen Lauten zu verstehen. Sorry, aber das ist nicht mein erster Rassismus-Zirkus!

Ich habe mich im Nachgang in der Zentrale von Domino’s Pizza beschwert. Egal, ob sie es ernst nehmen oder nicht und ob dem Fahrer nochmal gut zugeredet wird – die Zentrale hat das bare Minimum gemacht, dass ich von einer Firma oder von einer Person erwarte, die damit konfrontiert wird, dass man selbst oder dass Mitarbeiter sich rassistisch verhalten haben. Sie haben sich direkt bei mir entschuldigt, nichts beschönigt und auch nach den Kontaktdaten gefragt, um es intern zu klären.

Meine Frage, warum nicht gleich so? Ohne Bullshit-Bingo Wörter, einfach eine klare und kurze Entschuldigung, mit dem Hinweis, was man zur Besserung zu tun gedenkt?

Sich für rassistische Äußerungen zu entschuldigen ist leichter als gedacht – vorausgesetzt man wiederholt sich nicht jeden Tag. Aber es scheint der eigenen Unfähigkeit geschuldet zu sein, Fehler einzugestehen und sein Ego runter zu schlucken. Man konnte am Beispiel von Bayern 3 und dem Moderator Matuschik genau sehen, dass die eigene gutbürgerliche Borniertheit einem selbst ein Bein stellt, wenn man behauptet, dass man durch wohltätige Arbeit und das Fahren ausländischer Autos frei vom Rassismus sei.

Wie ihr beim BPB nachlesen könnt, ist anti-asiatischer Rassismus in Deutschland kein Einzelfall, sondern eine ernstzunehmende Gefahr. Nehmt es nicht als Bagatelle wahr, sondern als etwas, was uns Betroffenen jeden verdammten Tag durch Medien wie die heute Show oder andere vermeintlich “liberale” Medien ins Gesicht springt.

Kommen wir nun zum zweiten, sehr aktuellen Vorfall. Ich denke, Facebook und Instagram sind Schuld daran, dass ich diese sinophobe Werbung sehen musste. Ich habe tatsächlich vor paar Tagen online auf Makeup-Seiten rumgeklickt – meistens folgt dann später die passende creepy Werbung auf Instagram.

Heute morgen hatte ich eine Werbung in meinem Feed, wo ich zweimal hingucken musste. Nicht, weil sie so spannend oder so passend war, sondern weil ich meinen Augen nicht getraut hatte. Schon wieder eine Werbung, die sich mit dem Klischee und Stereotyp “made in China” befasst.

Lasst mich bitte etwas aus dem Weg räumen.
1. Ich habe keinen chinesischen Background, aber das ist auch komplett irrelevant
2. Ja, die chinesische Regierung begeht Menschenrechtsverletzungen an den Uyghuren und in Hongkong. Das rechtfertigt nicht, dass am Ende als ostasiatisch gelesene Menschen den rassistischen Shit abbekommen müssen, der zum Teil auch durch solche Werbung in den Köpfen vieler, vieler Menschen fest sitzt.

Kommen wir nun zum Fall. Die Firma Browlycare ist für mich das perfekte Beispiel, wie man eben nicht mit Kritik umgehen sollte. Wie bereits oben im Fall mit Domino’s Pizza beschrieben; es ist so einfach (aber anscheinend für die Verursacher so schwer) sich für das erste Vergehen zu entschuldigen. Aber eins nach dem anderen.

Die Werbung von Browlycare, die einen Soap Booster für Augenbrauen vertreibt (googelt nach Augenbrauen-Seife, klingt schon mal interessant), schaltete eine bezahlte Werbung, in dem Sie für ihr Produkt warb. Ok, zunächst klingt das alles ganz harmlos.

Aber die ganze Werbung basiert auf der Prämisse, dass es eine direkte Gegenüberstellung ist von “wir” (damit wird Browlycare gemeint), Made in Germany vs “andere” (unten steht dann direkt: Made in China). Der Teil mit “wir” und “Made in Germany” ist in schwarzer Schrift auf rosa Hintergrund und wirkt elegant und lebendig, während der Teil mit “andere” und “Made in China” mit weisser Schrift auf verwaschenem Grau leblos und negativ wirkt. Dazu kommt noch die Aufzählung vermeintlich guter Inhaltsstoffe (bei “Made in Germany”) vs minderwertigen und schlechten Inhaltsstoffen (bei “Made in China”). So wird suggeriert, dass alles, was aus China kommt, schlecht sein muss. Wenn man nicht auf dieses Stereotyp setzt, warum nutzt man bei “andere” explizit das Land China als Gegenbeispiel? Das Land spielt hier keine Rolle – es sei denn, man hat diese Stereotype internalisiert und nutzt diese “hab ich bei Wish bestellt” Mentalität aus, die ja überall grassiert. Widerlich. Auf Twitter habe ich übrigens ein Bild und das Video der Anzeige gepostet.

Alle Erklärungen können mir nichts vormachen. Leute, ich arbeite in der Werbung. Ich habe oft mit Situationen zu tun, wo man zwei, drei oder mehrfach auf Dinge drauf schauen muss, damit kein Fauxpas passiert. Fehler sind Menschlich, aber Fehler passieren in einer guten Agentur einfach nicht, weil vor der Freigabe einer Anzeige mehrere Leute und dann am Ende noch der Kunde/die Kundin drauf schaut. Wenn man Fehler dennoch veröffentlicht, dann gibt es in dieser Agentur einfach kein Verständnis dafür, wie eine Werbeanzeige laufen soll. Es gibt mit Sicherheit niemanden, der auch nur im Ansatz diverse Aspekte in der Werbung beachtet. Ansonsten wäre diese Anzeige so nicht freigegeben worden. Es sei denn, man setzt auf den Faktor Shitstorm, um bekannt zu werden.

Ich möchte gerne diese Anzeige weiter zerlegen, weil es ein Paradebeispiel ist, wie man weder eine Werbeanzeige in 2021 schaltet und wie man sich als Firma nicht entschuldigt.

Warum diese Anzeige kein Hans aus dem Keller seiner Eltern gebaut hat?
Schaut euch auf Twitter oder TikTok bitte die Werbung an, ich setze alle Links in die Shownotes. Ihr seht direkt an der Platzierung, der Gegenüberstellung, dass ein Pro und Kontra geplant ist, um das eigene Produkt besser dastehen zu lassen. Die bereits genannte Farbwahl ist auch ein Indikator dafür, dass man sich Gedanken gemacht hat, wie man die Emotionen der potentiellen Käufer*innen innerhalb kürzester Zeit ankurbeln kann. Nämlich durch den visuellen Effekt.

Ich habe mich wegen meiner Doktorarbeit zufällig (und nur für ein Kapitel) mit Farbpsychologie beschäftigt. Zwar haben in Ostasien Farben teilweise eine andere Bedeutung, aber ihr müsst gar nicht in dicken Büchern Seiten wälzen, um schnell zu Ergebnissen zu kommen. Ich habe “Farben + Grau + Bedeutung + Emotionen” in verschiedenen Kombinationen gegoogelt und bin bei den ersten 10 Ergebnissen direkt auf der Seite von Vistaprint gelandet, wo unter dem Titel “Wie Farben Gefühle und Verhalten beeinflussen” die Farbe Grau als erstes Beispiel für “traurige Farben” aufgelistet wird. Seid ehrlich und schaut euch die Werbung an. Mir kann wirklich niemand erzählen, dass man positive Gefühle für die rechte Seite, die in weiss und grau gehalten ist, entwickelt. Gekoppelt mit dem “Made in China” vermittelt dies ein unangenehmes Gefühl, was das Stereotyp, dass alles, was aus China kommt, minderwertig ist, verstärkt. Übrigens auch im Unterbewusstsein!

Denn die Farben werden, genau wie die Musik, in der Werbung manipulativ eingesetzt. Das muss nicht negativ sein, wenn mich die Weihnachtswerbung eines Supermarktes sehr mitnimmt und ich in meiner empathischen Ader getroffen werde, ist das völlig OK. Nicht OK ist es, wenn diese Manipulationen negative Emotionen in mir auslösen. Wer stetig mit solchen Dingen beschallt wird, wird zwar nicht gleich zum Atlanta-Mörder, aber auch der hat anti-asiatische Ressentiments langsam und lange in sich aufgesogen. Mann muss keine Menschen umbringen, um den Geist eines anderen Menschen zu zerstören. Rassismus tötet. Körper und Psyche.

Ich möchte noch auf die Wortwahl der Browlycare Werbung aufmerksam machen. Da man in so einer Ad nicht viel Zeit hat, ist es wichtig, so viele Infos so kurz und prägnant wie möglich zusammenzufassen. Wie vorab geschrieben, wurden dafür die Platzierung und die Farben ausgewählt. Eigentlich ist der Text genial, wenn er nicht so ausgrenzend und im Endeffekt Stereotypen verstärkend wäre – und für Betroffene rassistisch enden kann. Es steht nämlich einfach schnörkellos “wir” dem Wort “andere” gegenüber. “Wir”, das Wort (mit dem Font, der Größe und der Farbe) suggeriert ein Gemeindschaftsgefühl, zusammen mit dem “Made In Germany” wirkt es dann noch “wertiger”. Denn “Made in Germany” zählt ja was, und das “Wir” brennt sich schnell ein und ist in schwarzer Schrift auf rosa sehr gut zu erkennen.

Als Kontra, auf der rechten Seite steht dann in Weiß auf Grau “andere” und da drunter “Made in China”. Habt ihr jemals vom “Othering” gehört? Googelt das bitte selber und fragt keine PoC danach. Das “andere” suggeriert was fremdes, etwas, was nicht dazugehört und auch nie dazugehören wird. Für mich schlägt das in die gleiche Kerbe wie die Spiegel-Cover, wo von “Gelber Gefahr” gesprochen wird. Man erzeugt durch das “andere”, zusammen mit den Farben und der Platzierung sensationell einfach bei den Leuten, die sich diese Ad anschauen, das Gefühl, dass man das nicht will. Man verbindet somit auch im Unterbewusst sein ein Land, in dem Fall China, mit negativen Emotionen.

Ich möchte euch einen Tweet von mir hier zitieren. Stetige Herabwürdigungen wie diese (Werbung), die alte Stereotype immer wieder ins Gedächtnis holen, tragen dazu bei, dass sich anti-asiatische Ressentiments etabliert haben und sich in vielen Köpfen festgesetzt haben.

Es ist kein großer Vorfall, der anti-asiatischen Rassismus auslöst. Die wirklich gefährlichen Sachen sind scheinbar kleine Vorfälle wie die Werbung von Browlycare, die sich im Unterbewusstsein festsetzen und sich an internalisierte Stereotype klammern.

Die Kurzfassung gibt es übrigens hier in meinem TikTok:

@novemberbeetle

Alles aus China ist schlecht? Diese Werbung von #browlycare ist Trash. #stopasianhate #talkasianhate #Rassismus #stereotyp @browlycare

♬ Originalton – Novemberbeetle

Kommen wir nun zu der Reaktion der Firma Browlycare. Die guten Nachrichten schon mal vorneweg: Die Firma hat nach der massiven Kritik, die auch viele Supporter*innen mitgetragen haben, die Werbeanzeige zurückgezogen. Übrigens nach über 120.850 Aufrufen und überwiegend positiven 67 Kommentaren. Und die Firma hat recht schnell auf meine Kritik reagiert. Das ist aber schon alles, was ich an positiven Dingen über Browlycare sagen kann, aber vielleicht zählt in diesem Fall auch nur das Ergebnis? Naja.

Ich gebe hier ungefragt und kostenlos einige Tipps, wie man in der Unternehmenskommunikation bitte nicht reagieren sollte, wenn man sich einer Welle an Kritik ausgesetzt sieht, die von Betroffenen vorgebracht wird. Ich nehme mit den nun folgenden Punkten auch Stellung zu den Romanen, die Browlycare mir und anderen Supporter*innen per DM geschrieben hat.

  1. Wenn eure Werbung als rassistisch wahr genommen wird und sich Betroffene melden, ist eure Werbung schlecht.
  2. Wenn eure Werbung nicht für sich stehen kann und zig DMs benötigt, um verstanden zu werden, ist sie nicht nur schlecht, sondern einfach nur ein Reinfall. Wechselt die Agentur. Pronto.
  3. Kommt zu Pötte. Niemanden, schon gar nicht die Betroffenen, interessiert sich für euer Blabla, wie toll eure Firma ist und wer da alles mit dran gesessen hat. Sei es die Oma, der Freund – egal. Wollt ihr euch entschuldigen? Ja? Nein? Was denn nun? Das ist alles nur unnötige Manipulation von Gefühlen, die man gegenüber euch aufbringen soll. Es. Interessiert. Keinen. Nur eine Entschuldigung zählt, und was ihr in Zukunft tun wollt, damit das nicht nochmal passiert.
  4. Niemand, der/die als Betroffene Kritik vorbringt (wo es um rassistische Untertöne und Stereotypen geht) interessiert sich für euer Produkt. Es geht um die misslungene Werbung und nicht darum, wie toll euer Produkt ist.
  5. Benutzt eure “asiatischen” Kollegen nicht als frigging TOKEN (bitte selbstständig googeln, falls die Fähigkeit dazu vorhanden ist). Der Satz, dass man auch “asiatische Kollegen” im Team hat, hat mich fast hysterisch zum Lachen gebracht. Browlycare hat einfach einen Haken hinter jedem misslungenen Satz, den man in einer Entschuldigung verwenden kann gebracht. Übrigens schrieben sie einer anderen Instagram-Nutzerin, dass sie sich “nicht in unsere Lage reinversetzen können”. Das widerspricht doch dem, was sie mir mit “asiatischer Kollege” geschrieben haben? Get your facts straight.
  6. Ausserdem schreibt ihr, dass ihr auch mit chinesischen Herstellern arbeitet. Dann war eure Werbung nicht mal korrekt? Muss ja bei einer Werbung nichts heissen, aber das ist dann doppelter Fail.
  7. Nutzt keine Floskeln wie “War nicht böse gemeint”, wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist. Kann ich in eure Birnen gucken und sehen, was böse gemeint war und was nicht? Ich haue doch nicht einem Unbeteiligten mit der Faust ins Gesicht und sag dann “War nicht böse gemeint”. So fühlt sich das nämlich an. Jeder rassistische Vorfall, jede misslungene “Entschuldigung”, wo sehr ich-bezogen “war nicht böse von uns gemeint” oder “das war nicht unsere Intention” ist ein Schlag ins Gesicht von Betroffenen. Es ist umso schlimmer, weil das keine Einzelfälle sind, sondern jeden verdammten Tag sich was aufstaut. Wenn du liebe Zuhörerin und lieber Zuhörer, jetzt ungläubig sagst: “Das habe ich noch nie erlebt.” dann bist du entweder weiss oder ignorant.
  8. Schreibt Betroffene, in dem Fall mich, nicht dauernd mit den gleichen Dingen an und verlangt nicht manipulativ/vorwurfsvoll Sachen wie “Wie schade, dass du uns hierzu bisher nicht persönlich antworten konntest.” Wie von sich selbst überzeugt muss man sein, dass man glaubt, dass PoC, dass Betroffene ein Gespräch suchen müssen und verpflichtet sind, euch persönlich Rede und Antwort stehen müssen?
  9. Newsflash: Betroffene, hier PoC, sind nicht dazu verpflichtet, eure schwurbelige Entschuldigung wegen der Stereotypisierung anzunehmen oder irgendeine Entschuldigung anzunehmen, die nach rassistischen Vorfällen rausgepresst wird. Man kann sich als Verursacher*in entschuldigen, bis Schweine fliegen können, aber zum mitschreiben: Betroffene sind nicht verpflichtet, Erklärungen oder Entschuldigungen anzunehmen. Diese Arroganz ist für mich so typisch.
  10. Nein, Browlycare. Das ist kein fucking Frust dem ich hier schiebe. Das ist astreiner Ärger und zwar nicht nur über eure Werbung, sondern auch über eure stümperhafte Entschuldigungen, die sich anfühlen wie ein Kaugummi, der sich unter der Schuhsohle dehnt und dehnt und nicht abgeht.
  11. Ihr schreibt, dass ihr “zugegebenermaßen froh seid”, dass wir euch auf dieses Thema aufmerksam gemacht haben. Was stimmt mit euch nicht, dass ihr euch freut, dass wir, PoC und Allies, ärgern, dass Leute verletzt sind? Wie unsensibel muss man bitte sein, dass man so etwas Betroffenen, als Verursacher dieses ganzen Debakels, schreibt?
  12. Euch haben angeblich liebe Account angeschrieben, die euch einen Einblick und weitere Infos zu dieser Sache geschickt haben. Das stimmt so nicht. Ich kenne den Großteil dieser Accounts, unsere Community ist vernetzt. Diese Accounts haben euch kritisiert und nicht aus Großmut mit Informationen beglückt. Bitte, for the love of Jesus und allen Engeln, lernt zu googlen und benutzt PoC nicht als kostenlose Informationsbank. Sehen wir aus wie Brockhaus oder was.

Jetzt habe ich mich tatsächlich in Rage geredet – aber vielleicht ist das auch ganz gut so. Ich denke nicht, dass rassistische Vorfälle oder das Wiederholen von Stereotypen von heute auf morgen verschwindet. Wenn die Leute, die hinter Browlycare stecken, jetzt sensibler geworden sind und mehr Wissen als gestern haben, dann wurde das Trampelnd auf den Rücken von Asiatisch-Deutschen gemacht.

Was ist denn nun die Antwort auf die Frage, wie man sich nach einer rassistischen Aussage entschuldigt? Idealerweise gar nicht, weil man gar nichts rassistisches von sich gegeben hat. Sollte man das dennoch getan haben, ist für mich persönlich wichtig, was danach kommt. Keine Ausflüchte, keine Romane. Ein klares “Sorry, es tut mir oder uns leid” und ein Plan, was man tut, um sich weiterzubilden. Das ist es, was zumindest ich in einer Entschuldigen hören, lesen und sehen will. Was machst du, was macht ihr, um das nächste Mal nicht rassistisch zu sein? Das möchte ich in einer Entschuldigung wissen – und kein gefühlsduseliges, virtuelles Geheule. Fakten und Pläne. So einfach kann es sein. Es sei denn, man ist ein Wiederholungstäter. Da hilft auch keine Entschuldigung mehr.

Ich hoffe, du konntest einiges aus dieser Episode mitnehmen, mich persönlich hat sie doch sehr geschlaucht, da ich über Themen geredet habe, die mich doch belasten. Aber manchmal hat so ein Rant auch etwas befreiendes für mich. Alle Links zu den besprochenen Sachen und weitere Informationen, sowie die Daten, wie du mich für Feedback und Wünsche kontaktieren kannst, findest du in den Shownotes.

Hab vielen Dank für deine Zeit und bis zum nächsten Mal, wenn ich hoffentlich über ein schönes Thema, wie koreanische traditionelle Musik oder KPop reden kann. Tschüss!

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